Im Aikido-Kampf ist die Situation beim Zugriff des Gegners sehr wichtig.
Im Training werden deshalb Kamae, die Stellung zum Gegner, Ma-ai, die Entfernung zum Gegner, Irimi, das „Hineingehen“ in den Angriff und Sabaki, die kreisende Bewegung, besonders geübt.
Weiterhin wird die Aikido-spezifische Fallschule geübt, die rollende Bewegungen bevorzugt
(im Gegensatz zu den im Judo dominierenden „harten“ Fallübungen, die durch seitliches Aufprallen und Aufschlagen mit dem gesamten Arm die Wucht des Sturzes „verteilen“ wollen).
Im traditionellen Ueshiba-Aikido gibt es keine öffentlichen Wettkämpfe,
da Ueshiba der Meinung war, Begriffe wie „Sieg“ oder „Niederlage“ seien in seinem System überwunden.
Tabellen, Punkte und Meisterschaften passen auch nicht zu einer Kampfkunst, die man bis zu einer Lebensphilosophie mit fast „psychotherapeutischem“ Charakter verinnerlichen kann,
und die sich mit ihrer Tendenz zur Harmonie und Ruhe dann eher in die Nähe von autogenem Training rücken läßt als in die der Kampfsportarten.
Ähnlich wie beim chinesischen Tai-Chi mutet eine gute Aikido-Vorführung fast wie ein Tanz an.
Eine Schulung im Aikido vermittelt ein ausgezeichnetes Körper- und Bewegungsgefühl.
Ein wichtiger Aspekt des Aikido ist der Versuch, die Diskrepanz zwischen Körper und Geist aufzuheben, um dadurch die Einbettung in Natur und Welt zu erfahren.
Das Ausführen der Aikido-Techniken soll helfen, die angestrebte Harmonie der Körperbewegung auch in eine geistige Ausgeglichenheit umzusetzen, aus der Aggressions- und Angstlosigkeit resultieren.
Morihei Ueshiba hat es auf faszinierende Weise geschafft, seine ursprünglichen Motive und Zielvorstellungen im Aikido zu verwirklichen.
Die Aikido-Techniken sind so ausgelegt, dass sie sehr dosiert eingesetzt werden können.
Es geht dem Aikido-Kämpfer nicht darum, einen Angriff möglichst hart und kompromisslos zu beantworten, denn er sieht in einem Gewaltakt eine Perversion natürlichen Verhaltens, die wiederum Folge irgendeiner Form von Disharmonie ist.
Nach Ueshibas Forderung sollte der Aikidoka einem Menschen, der sich solchermaßen disharmonisch verhält, eher helfen, als ihn weiter zu schädigen.
Ueshiba war allerdings realitätsbezogen genug, um zu wissen, dass ein "totaler Pazifismus" dem natürlichen Instinkt des Menschen zur Selbstverteidigung widerspricht.
Insofern sind die Aikido-Techniken darauf ausgerichtet, einem Angreifer nur so weit Schmerzen zuzufügen, wie es erforderlich ist, um sich selbst zu verteidigen und den Gegner unter Kontrolle zu behalten.
So stellt Aikido neben seinen schon genannten Vorzügen eine humane und trotzdem effektive Form der Selbstverteidigung dar, auch gegen bewaffnete Angreifer.
Man muss jedoch darauf hinweisen, dass es leichter zu erlernende Selbstverteidigungssysteme gibt, die man im Ernstfall vielleicht schon nach ein oder zwei Jahren Training mit Erfolg einsetzen kann.
Mit ein oder zwei Jahren ist es im Aikido jedoch nicht getan.
In der Notsituation verlangen die komplizierten Kreisbewegungen sehr viel Erfahrung und Geschick.
Das "weiche" Auffangen eines Angriffs und die Umsetzung in eine Drehbewegung erfordern schnelle Reaktion und ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, welches man "nur" schrittweise durch langjährige Übung erlangen kann.
Einmal erlernt, stellt Aikido jedoch gerade auch für Frauen eine praktikable Selbstverteidigung dar, da der Kraftaufwand zur Ausführung der Techniken gering ist.
Die im Kampfsport bekannten Sätze
>> In der Kunst des Kämpfens handelt es sich nicht um Sieg oder Niederlage <<
>> Die Niederlage ist ein Sieg <<
sind im Aikido auf vorbildliche Weise verwirklicht.
Großmeister Morihei Ueshiba: